Benjamin Burkard

2007 beginnt Benjamin Burkhard sein Studium der Biologie, Biolehrer möchte er werden, und da er „ein bisschen zeichnen kann“1, nimmt er als Zweitfach Kunst dazu – wird schon klappen, denkt er sich. Was erst einmal pragmatisch klingt, wird ziemlich schnell zur großen Leidenschaft mit „übermäßigem Schaffensdrang.“ Die Fächerkombination von Biologie und Kunst(-geschichte) wird für sein Werk bezeichnend sein, der scheinbare Widerspruch sich als dankbare Ergänzung erweisen. Bereits im folgenden Jahr erhält er das Heinrich-von-Zügel-Stipendium für Malerei, welches ihm die Finanzierung von Unterkunft und Atelier erleichtert, vor allen Dingen aber auch erst einmal die Qualität seiner Arbeit honoriert und bestätigt – aus motivationspsychologischer Sicht natürlich von unschätzbarem Wert. Weitere Auszeichnungen sowie mediale Aufmerksamkeit folgen bald.

Bewusst zu malen, zu entwerfen, zu experimentieren, Stellung zu beziehen, zu kritisieren und oftmals auch alles Bisherige wieder zu verwerfen, um nochmal ganz von vorn wieder anzufangen – das erfordert nicht nur einen hohen mentalen Aufwand in puncto Konzentration und Durchhaltevermögen, auch praktische Grenzen müssen immer wieder überwunden werden. Da hilft es, im eigenen Atelier die Möglichkeit zu haben, sich frei von Zeit und Raum in die eigenen Gedanken und Assoziationen fallen zu lassen und sich frei auf der Leinwand austoben zu können. Inspiration und Anstöße findet der Künstler überall, über die Jahre hat er einen riesigen Bilderfundus angesammelt, der Fotografien oder Abbildungen aus privatem Besitz, Zeitungen oder dem Internet enthält. Diese liefern Ansätze, die in intensiven Werkprozessen zahlreichen Metamorphosen durchlaufen. So wie jedermanns Gedanken entwickelt auch ein künstlerischer Schaffungsprozess eine gewisse Eigendynamik, die gar nicht unbedingt bewusst, d .h. rational, registriert werden muss.

Anfangs hauptsächlich dem Portrait verpflichtet, sucht er schnell neue Herausforderungen. Seiner Faszination für Mechanisches und Technisches folgend, malt und zeichnet er zunächst Zahnräder, später komplexere Gebilde und Hydrauliken. Nach und nach kombiniert er diese dann mit Lebendigem – Menschen/Tieren/Pflanzen, bis sie schließlich auch miteinander verschmelzen (Biomechanoiden). Burkhard empfindet das Verhältnis zwischen Technik/Maschinerie und Mensch/Natur und Umwelt nicht als Gegensatz, seiner These nach „waren Mensch und Maschine im Laufe der Geschichte niemals getrennt.“2 Die Wertung dieses Verhältnisses ist dabei völlig sekundär, da subjektiv und situationsabhängig. Diesem Selbstverständnis entsprechend erscheint das Ergebnis unheimlich stimmig. So entstehen Werke von bemerkenswerter Ganzheitlichkeit, sprich: Methodik, Technik und Inhalt gehen Hand in Hand, die diversen Ebenen unterstützen sich gegenseitig und erhöhen so die Wirkung der Darstellung. Linien, welche die Figurationen und Gerätschaften umranden, aber auch kreuzen und teilen, verbinden die verschiedenen Bereiche der Bildebene miteinander und lassen sie insgesamt beinahe vibrieren. Die Szenen scheinen in Bewegung, wer seine Augen länger auf die Leinwand richtet, kann die Figuren mit den Maschinen interagieren lassen, die Bestandteile aufeinander zubewegen.

Die Kunstgeschichte ist bekanntlich eine Rezeptionsgeschichte, und so enthält das Bildwerk des Benjamin Burkhard sowohl formal als auch inhaltlich vielerlei Aspekte, die an vergangene Strömungen erinnern. Die abstrakten Farbpartien in der Grundierung als auch auf der Oberfläche verweisen auf den Informel, die motivischen Kombinationen und Neuschöpfungen erinnern an surrealistische Absurditäten, wohingegen die Atmosphäre von Bewegung/Geschwindigkeit und Vibration als auch die generelle Faszination für Technik und Maschine den (italienischen) Futurismus hervorbrachte.3 Benjamin Burkhards künstlerischer Werdegang ist einer, wie man ihn sich gar nicht besser wünschen kann – sowohl menschlich als auch „(kunst-)marketingtechnisch“. Wir handeln alle aus unterschiedlichen Motivationen, mal ist diese mehr intrinsisch, mal extrinsisch. Jemanden zu vertreten, dessen Werk aus tiefstem Bewusstsein und innerer Notwendigkeit entsteht, schafft eine Atmosphäre von Authentizität und wirklicher Verbindung, die berührt – sowohl den Künstler als auch den/die GaleristIn sowie BetrachterIn.

Yasmin Samolat

vgl. http://www.ka-news.de/kultur/regional/Kunst-Talent-aus-Kandel-Die-art-Karlsruhe-war-wie-ein-Ritterschlag;art136,1817229

vgl. https://staffeleien-shop.de/artina-magazin/benjamin-burkard-kombiniert-zeichnung-und-malerei-frei-von-konventionen/

vgl. Christoph Zuschlag, Maschinentheater. Zur Kunst Benjamin Burkhard, in: Maschinentheater. Benjamin Burkhard, 2014

Vita:

30.11.86in Kandel geboren 
2007 - 2015Studium der Kunst und Biologie an der Universität Landau, Schüler von Günther Berjelung 
2008Heinrich-von-Zügel-Stipendium für Malerei 
2012Gewinner „Junge Kunst in der Villa“
2014Item-Kunstpreis für Malerei „Innovation mit System“ 
2015Förderung durch die Joseph-David Stiftung 
Heinrich-von-Zügel Preis für Malerei 
Albert Haueisen Förderpreis
2016Shortlist Phönix Kunstpreis Top Ten, 2. Platz
Fischer/collegen Kunstpreis 
Förderkoje Kunst/Mitte

ArbeitenArbeiten

2015-1_Benjamin Burkard_kinetischer Aberglauben_full