Simone Zewnik

Simone Zewnik inszeniert sich in Posen und Szenerien, die ihrer eigenen Vorstellung entspringen. Einerseits arbeitet sie sich an bestehenden weiblichen Rollenbildern ab – dem Pin-up, der Madonna, der Amazone, der Mutter oder der Geliebten. Zusätzlich sucht sie ganz persönliche Vorstellungen, Fantasien, Ängste und Träume abzubilden. Sie lässt sich ganz in ihre intimen Abgründe und Unsicherheiten fallen und schont dabei weder sich, noch den Betrachter, welcher angesichts der grotesken Szenen vielleicht zunächst Unbehagen empfindet.

Wer ein Kunstwerk betrachtet, der erwartet oft  etwas Ästhetisches, Schönes zu erfahren. Vor allem wenn es sich dabei um eine Aktdarstellung handelt. Diese Bilder hingegen tun weh. Sie sind erschreckend, denn das, was man hier betrachtet, ist nicht gemalt, sondern fotografiert: Das Gesehene ist tatsächlich passiert, die vom Betrachter suggerierte Unbequemlichkeit wurde tatsächlich, körperlich empfunden.

Dieser Umstand macht es vor allem der Betrachterin schwer, sich von der Darstellenden zu distanzieren, hält diese ihr doch den Spiegel vor. Denn diese krampfhaft unnatürlichen Situationen kommen nicht von ungefähr. Der Werktitel „Verrenkung weiblicher Figuren, die eine Illusion von Schönheit und Maß enträtseln wollen“ bringt es auf den Punkt. Simone Zewnik liegt nackt unter einer in Ober- und Unterteile zertrennten Schaufensterpuppe. Fast scheint es, als liege sie unter dieser begraben, während das makellose Puppengesicht selig über sie hinweg lächelt.

Ebenso bezeichnend die „Näher kommende Metamorphose“. In der Abbildung verschmilzt sie selbst, in Rückenansicht, die Arme und Beine weit in die Höhe spreizend, mit einer ebenso angeordneten, fragmentierten Schaufensterpuppe zu einem Gebilde, das ferner an Darstellungen diverser hinduistischer Göttinnen erinnert, deren viele Arme Attribute des Höchstens sind. Es drängt sich die Frage auf, warum die Frau(en) es sich (freiwillig?) so unbequem machen, der idealisierten Rollenvorstellung zu entsprechen, die ihr von … ja von wem denn eigentlich? – oktroyiert werden.

Vita:

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