BEGEGNUNGEN – Realistisch-surrealistische Malerei und Skulptur

Ausstellung vom 24.11.2017 bis zum 13.01.2018, Midissage am 10.12. ab 14:00 Uhr sowie einführende Vorträge von Martina Lückener, am 24.11. + 02.12. um jeweils 14:30 Uhr, am 10.12. um 14:00 Uhr sowie am 15. + 22.12. um jeweils 15 Uhr

Maler treffen auf Bildhauer, jede(r) von ihnen mit ganz eigenem Stil und eigener „Nische“.
Die Maler Benjamin Burkard und Dominik Schmitt stammen nicht nur beide aus der Karlsruher Umgebung, sondern studierten beide sowohl Kunst als auch Biologie. Diese zunächst erst einmal widersprüchlich anmutende Kombination ist für ihr Werk bezeichnend. Aspekte des Biologischen/ Naturwissenschaftlichen finden sich in beider Bilder, beide malen sehr expressiv, jedoch in ganz eigenem, unverkennbarem Stil.

Burkards Faszination für Mechanisches und Technisches folgend, malt und zeichnet er zunächst Zahnräder, später komplexere Gebilde und Hydrauliken. Nach und nach kombiniert er diese dann mit Lebendigem – Menschen/Tieren/Pflanzen, bis sie schließlich auch miteinander verschmelzen (Biomechanoiden).

Dominik Schmitt zeigt in seiner Malerei Menschen, Tiere und Hybride, die im wahrsten Sinne des Wortes ihr „Inneres“ nach außen transferieren. An mehreren Stellen ist Komik und Ironie zu spüren, sodass die anfängliche Dunkelheit durchbrochen wird. Die bildnerischen Werke öffnen ein Fenster in eine Welt, in der surreale Verflechtungen möglich gemacht werden.

Dazu gesellt sich mit der deutsch-italienischen Malerin Sonja Tines eine weitere Künstlerin, die sich ebenfalls nicht scheut, viel inhaltliches und noch mehr Farbe auf die Leinwand zu bringen. Surreal überzeichnete Figuren, deren Vorlage sie aus verschiedensten Kulturbereichen entlehnt, treten vor kontrastreich nebeneinander gestellten Motiven und Strukturen in einen völlig neuen Kontext.

Beim Spanier Marc Figueras geht es da schon etwas ruhiger zu. Er gilt als einer der hervorragendsten Vertreter des berühmten katalanischen Hyperrealismus, seine Bilder haben einen hohen Wiedererkennungswert. Er kennt Barcelona wie seine eigene Westentasche und fängt seine Atmosphäre mit größter Hingabe ein. Vor monumentalen Gebäuden im Stil der katalanischen Baukunst, die Antonio Gaudí unsterblich machte, zeigt er Passanten, Touristen, Flanierende, zu Fuß und auf dem Rad. Die Lebendigkeit der Charaktere ist vor allem der Tatsache geschuldet, das seine Arbeit zu dem Zeitpunkt beginnt, an dem das Licht am schönsten ist.

In puncto Skulptur ganz unterschiedliche Materialien und Techniken aufeinander. Da wäre zum einen der spanische Bildhauer Jesús Curiá, der in seinen Bronzearbeiten auch Stahl, Eisen, Stein und Holz verwendet. Sein Werk ist nicht nur eine Hommage an die Schönheit des menschlichen Körpers, sondern vor allem an den Menschen an sich. Seine Figuren vereinen westliche und nicht westliche Merkmale, sind weder klar männlich oder weiblich. Indem er ihnen die noch nicht komplett ausgebildeten Merkmale Heranwachsender verleiht, erzielt er eine bemerkenswerte Mehrdeutigkeit im Ausdruck.

Die in Florenz lebende Französin Jeanne-Isabelle Cornière kommt ursprünglich aus dem Bereich der Malerei, sodass es nicht verwundert, das die Haptik ihrer Figuren den Eindruck erweckt, als seien diese gerade frisch aus einer Leinwand gestiegen. Sie sind hauptsächlich in weiß gehalten, Accessoires oder Gegenstände, die sie in den Händen halten, sind entweder anderen Materials oder Farbe, häufig aus transparentem Muranoglas, wodurch ein wundervoller Kontrast entsteht.

Die Britin Rachel-Ann Stevenson versucht in ihren Skulpturen das Unmögliche, das Fantastische, das Un(ter)bewusste festzuhalten und sichtbar zu machen, wobei sie den Versuch so beschreibt, „als versuche man, Nebel mithilfe eines Netzes zu fangen.“ Ihre fantastischen Bronzefiguren kombiniert die Künstlerin mit Taxidermie und stellt diese in antike Glaskuppeln. Ihrer literarischen Begeisterung entsprechend, stellen einige der Figuren bedeutende Charaktere der Literaturgeschichte, aber auch märchenhafte Fantasiegestalten dar.

Die Bronzen des mongolischen Künstlers Wu Dawei kennzeichnet eine solch bemerkenswerte Stille, das jede seiner Figuren, einzeln betrachtet wirkt, als sei sie der letzte Überlebende in dieser Welt, die Wu Dawei kreiert. Er definiert Stille als etwas Essentielles, das sowohl Kraft als auch Schönheit ausstrahlen kann.

Last but not least die beiden aus dem Ruhrgebiet stammenden Künstlerinnen Ursula Commandeur und Andrea Kraft. Erstere arbeitet in vielfältiger Art und Weise mit Porzellan und Keramik. Hieraus entstehen Reliefs und Freiplastiken. Ihrem Interesse für Dinge, die nach System aufgebaut sind entsprechend, addiert sie einzelne, sich wiederholende Formen, die sich zu einem neuen Volumen ergänzen. Schwarz weiß gehalten, entstehen so skurrile Objekte und Fantasietürmchen, so eigenwillig, das sie viel Platz für die Phantasie und den Assoziationsraum des Betrachters lassen.

Andrea Kraft interessiert das Leben als Energieform. Diesen universellen Prinzipien künstlerisch nach zu spüren, ist wie das Erspüren eines „Codes“ im Leben, der sich in allen materiellen Lebensformen verbirgt.“ Hierbei definiert sie den Mensch als eine Art Resonanzkörper , der sich in einem Spannungsfeld von innerem Erleben und äusserem Einwirken bewegt. Neben Serien rein malerischer oder eben rein skulpturaler Umsetzung entstehen Kombinationen, bei denen durch eine auf bzw. vor die Leinwand montierte Figur die eindimensionale Bildtafel dreidimensional erhöht wird.