Stille

Ausstellung vom 12.10. bis 18.11. 2017
Eröffnung am 12.10. um 19:00 Uhr
Zwei Künstler aus dem Südwesten zeigen Ungewöhnliches

Franziska Schemel vereint in ihren Objektbildern malerische, plastische und raumillusionäre Elemente. Das Zentrum ihrer Arbeiten bilden kleine Fotos. Sie zeigen Menschen in alltäglichen Lebensräumen der Stadt, im nüchternen Ambiente kahler Unterführungen oder Bahnhofseingänge, in Tunneln oder schattigen Passagen. Indirekt einfallendes Licht, die Aufnahme in der Bewegung, im Vorbeigehen – die speziellen Gegebenheiten der Situation verleihen den Szenen etwas Schwebendes, Transparentes. Der Fokus der Darstellung liegt jedoch auf dem, womit Franziska Schemel diese Miniaturansichten erweitert. Der rahmende, flächige Umraum ist dreidimensional angelegt und verleiht dem Gesamteindruck den einer Theaterbühne oder eines Schaukastens.
Auf Holz- oder Leinwandgrund trägt die Künstlerin mittels verschiedener Techniken Edelstahl- oder Eisenpulver, Grafit, Sand, Steinmehle, Rost und Pigmente auf. Bewusst mischt sie eigene Ersatzpigmente, wodurch die Farben viel authentischer wirken, als es handelsübliche Farbtuben jemals sein könnten. Die groben, schwer anmutenden Oberflächenstrukturen erhöhen die Dimension der Darstellung noch zusätzlich. Das Rahmende geht über die bloße Funktion hinaus und entwickelt eine dramaturgische Eigendynamik. Kennzeichnend ist die klare und auf geometrische Grundformen reduzierte formale Gestaltung, die der architektonischen Formensprache der modernen Stadt entspricht.

Norbert Klaus arbeitet mit dem ungewöhnlichen Naturstoff Reisig, mit dem er neben Prägungen auf Büttenpapier hauptsächlich Skulpturen fertigt. Biegsame Zweige von Buche und Haselnuss bilden das Füllmaterial des Grundgerüsts der plastischen Form. Im zweiten Schritt wird der stabile, aber biegsame Grundkörper mit harten Zweigen des roten Hartriegels oder der Blutpflaume ergänzt und verdichtet. Damit das Material nicht bricht, wird es meist frisch geschnitten in verschiedenen Zuständen verarbeitet. Abschließend schneidet Norbert Klaus das Objekt mithilfe einer eigens entwickelten Konstruktion in die exakte geometrische Form.
Eine mühselige Prozedur, die Konzentration, Präzision, Kraft und Geduld erfordert. Das Verfahren kombiniert die künstlerischen Techniken der Plastik und Skulptur – die ersten beiden Arbeitsschritte sind additiv, also plastisch aufbauend, während der letzte Vorgang abtragenden Charakter hat. Die Tatsache, dass solch ein Reisiggesteck irrtümlich als ein natürliches, aus sich heraus gewachsenes Stück wahrgenommen wird, ist vorrangig dem letzten Arbeitsschritt geschuldet und eine unbewusste Täuschung. Teilweise ergänzen Beton oder Acrylglas die Skulpturen. Das glatte, nüchterne Material wiederholt, betont und erhöht die gestalterische Einfachheit der Plastik.

Zur Eröffnung spricht Martina Lückener.
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